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Der junge Professor

Am 28. Mai 1869 hält Nietzsche seine Antrittsrede an der Universität Basel über 'Homer und die klassische Philologie'. Aus verschiedenen Gründen ist Basel für Friedrich Nietzsche zunächst ein Glücksfall.

Sowohl an der Universität als auch von der herrschenden, geistig regen Bürgerschicht wird der junge Dozent umgehend integriert.

Friedrich Jacob Burckhardt in BaselNietzsche lernt mit dem Kunst- und Kulturhistoriker Jacob Burckhardt und Juristen und Historiker Johann Jakob Bachhofen zwei Universitätslehrer kennen, die höchstes geistiges Niveau besitzen und damit Nietzsche bereichern. Jacob Burckhardt, dessen Veranstaltungen Nietzsche ehrfürchtig besucht, wird von dem jungen Gelehrten ob seiner elitären geistigen Haltung und dessen profunder Kenntnisse auf dem Gebiet der Kunst und Antike als großer Lehrer besonders geschätzt. Dazu findet er auch im musischem Bereich ein hochgebildetes Bürgertum vor - als guter Klavierspieler ist Nietzsche bald in den Bürgerzirkeln gern gesehener Gast.

Nietzsche Universität Baselfindet zudem in der republikanischen Polis Basel einen Ort, der das freie Denken nachgerade fördert, anstatt es in akademische Fesseln zu legen. Und die Stadt zeigt sich auch treu in ihren toleranten Prinzipien, als Nietzsche nach Veröffentlichung der Tragödienschrift angegriffen wird und steht zu der drei Jahre zurückliegenden Berufung des jungen Professors. Insgesamt wird sich die Universität Basel äußerst großzügig ihrem schwierigen Professor gegenüber verhalten.

Mit der Übernahme der Professur (acht Wochenstunden) verbunden ist die Pflicht, am Gymnasium, dem sog. Pädagogium, sechs Wochenstunden Griechischunterricht zu geben. So sehr Nietzsche über diese Pflichten in seinen Briefen klagt, so wichtig wird doch diese doppelte Pflicht für Nietzsches geistige Entwicklung. Nicht nur kann er so seine Studien der antiken Schriftsteller und besonders der Philosophen vertiefen, sondern Nietzsche macht auch die Erfahrung der Erziehung, ein Thema, das für Nietzsches gesamtes Wirken von zentraler Bedeutung ist. Besonders die Liebe zur vorsokratischen Philosophie verstärkt sich.

Wie Adolf Baumgartnerwar Nietzsche als Lehrer? Die Zeugnisse seiner ehemaligen Schüler berichten von einem Unterricht, der nicht auf das dogmatische Auswendiglernen zielte, sondern auf das selbstständige Verstehen von Texten. Nur so könne man die Liebe zur antiken Kultur befördern. In die Beschreibung dieses unkonventionellen Unterrichts mischen sich jedoch auch Aussagen, daß Nietzsche sich treu an vorformulierte Skripte festhielt. Alle Schüler berichten aber von einer hervorstechenden Eigenschaft: Höflichkeit!

Ein Franz und Ida Overbeckweiterer lebenswichtiger Glücksfall ist die Freundschaft mit dem Theologen Franz Overbeck, die im Frühjahr 1870 beginnt, als Overbeck zufällig in das Haus zieht, in welchem auch Nietzsche beherbergt ist. Seit dem Weggang aus Leipzig vermißt Nietzsche, wie er oft in seinen Briefen formuliert, den Freund aus Leipziger Tagen, Erwin Rohde. Mit Overbeck findet Nietzsche nicht nur einen treuen, sondern auch einen ihm geistig gewachsenen Freund. Man kann sich die nächtlichen Diskussionen der beiden in der von ihnen sog. 'Baumannshöhle' nur vorstellen. Sowohl der Philologe Nietzsche wie der Theologe Overbeck verstanden sich vielmehr als Philosophen - beide nehmen, wie der von beiden geschätzte Burckhardt, eine Sonderstellung in der Baseler Professorenschaft ein. Über Franz Overbeck schreibt Nietzsche im März 1873: "Overbeck ist der ernsteste freimüthigste und persönlich liebenswürdig-einfachste Mensch und Forscher, den man sich zum Freunde wünschen kann. Dabei von jenem Radikalismus, ohne den ich nun schon gar nicht mehr mit Jemanden umgehen kann. (...) Was im Verlauf eines Jahres von uns zusammen an wichtigen und eingreifenden Dingen besprochen wird, ist der Masse nach sehr groß." Nietzsche komponiert im Frühjahr 1874 einen 'Hymnus an die Freundschaft' und widmet dieses Musikstück dem Freund Overbeck.

Das alltägliche Leben wird ihm während der Baseler Jahre zudem durch die Dienste seiner Schwester Elisabeth erleichtert.

Elisabeth Nietzsche


Mit Unterbrechungen wird sie fast während seiner ganzen Professur dem unpraktischen Bruder, dem "Herzensfritz", den Haushalt führen. Sie hält so ihrem bewunderten und berühmten Bruder den Rücken von den zeitraubenden alltäglichen Besorgungen und Erledigungen frei. Gleichsam als Belohnung erhält sie dafür den Zugang zur Baseler Gesellschaft und zum Wagnerkreis. Nietzsche kann sich in Fragen des Haushaltsführung, die sie gelernt hat, ganz auf seine Schwester Elisabeth verlassen.

Trotz aller aufgezählter Vorteile ist Nietzsche in Basel stets latent unzufrieden. Anfangs noch selten, später aber immer häufiger, zeigt sich diese Unzufriedenheit dann auch in seinen häufigen Krankheiten. Nietzsche sieht seinen Wahlspruch "Werde, der du bist!" insgesamt verfehlt; Nietzsche hatte mehr Ehrgeiz, als nur Baseler Professor zu sein. Hier kommt der im nahen Tribschen bei Luzern wohnende Richard Wagner ins Spiel.


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