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lächerlich
Man stellt sich als jemand, der mit Nietzsche ins reine gekommen ist, vor, was Nietzsche zu diesem bunten Ansammlung von Meinungen und Deutungen und Orakeln und Muthmassungen über ihn und sein Werk sagen würde... Er würde nichts sagen; Er würde nur lachen. Nietzsches Werk – und vor allem Sein Leben! – eigenen sich für eine Diskussion (= kollektives Verständnis) in ungefähr wie Jungfrauen zum Kindkriegen. Nietzsche nämlich hatte (`zusammen` mit Stirner) die Individualität erfunden, und individuelle Ansichten sind in-diskutabel.
In-diskutabel meint: für sich genommen, stimmen alle diese geäusserten Ansichten, doch sie sind schlichtweg lächerlich (diese Ansicht hier natürlich nicht ausgenommen!), wo sie als Postulat und allgemeingültig aufgefasst werden sollen. Über Nietzsche diskutiert man nicht, Nietzsche verehrt man. Nietzsche verstehen heisst ja `Nietzsche leben` (= eigenes Schicksal lieben und konsequent durchführen).
Über Jesus hatte man diskutieren müssen: seine Lehren betrafen die ganze Gesellschaft; die Moral der Sozietät war ja für alle gleich bindend. Nietzsches Lehre betrafen jedoch nur das Individuum, also setzte man sich nur induviduell damit auseinander.
Nietzsche ist so individuell, dass Er unfassbar ist (- auch darin ähnelt Er seinem Schwarm Sokrates, mit dem Er sich so gerne verglich). Man lese also Nietzsche, man denke über Nietzsche nach, aber man diskutiere möglichst wenig über Ihn, denn in Austausch mit anderen Meinungen hat man kaum Chancen, seine ureigene Meinung zu einer wirklich individuellen Reife zu bringen.
Hat man die, endet man vielleicht wie ein geratener Don Quijote (= ein Versuchsübermensch! – aber Cervates hatte selbst nicht kapiert, was er da in aller Halbgöttlichkeit erschuf), auf dessen Grabstein sich das denkwürdige Epitaph befindet:
Doch mit kühnen einen Wissen,
beendete er seinen Flug:
verrückt soll man leben
- sterben soll man klug!

Im Nietzsches Geiste
kungfutius.de


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