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mündliches Abitur - Nietzsches Atheismus
Hallo, ich habe am Montag eine mündliche Prüfung mit dem Thema: Der Atheismus des Friedrich Nietzsche in Frage gestellt. Ich habe hier mal einen Text verfasst, den ich in etwa so vortragen werde. Ich würde mich gerne freuen, wenn jemand dazu was sagen könnte!!!

janikovitsjonas@web.de

DANKE!

Zu Friedrich Nietzsche:
Er würde 1844 in Röcken bei Leipzig als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren.
Im Alter von fünf Jahren starb sein Vater. 1858 erhält der damals 14 jährige Nietzsche eine Freistelle im angesehenen humanistischen Internat Pforta an der Saale.
1864 beginnt Friedrich Nietzsche ein Studium der evangelischen Theologie und klassischen Philologie in Bonn. Das Theologiestudium interessierte ihn nicht wirklich, nur aufgrund seiner gläubigen Mutter belegte er dieses Fach, brach es aber, zu ihrer großen Enttäuschung wieder ab.
Wegen seinen Veröffentlichungen bekommt Nietzsche seinen Doktorgrad ohne Prüfung.
Da sein erstes großes Werk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ von klassischen Philologen abgelehnt wird, wendet er sich 1872 ganz der Philosophie zu.
Vier Jahre später wird Nietzsche wegen Krankheit von der Universität Basel suspendiert.
Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich immer mehr, sodass er 1879 das Lehramt an der Universität. Zehn Jahre später bricht er in Turin zusammen. Als Ursache für den Zusammenbruch wurde progressive Paralyse als Folge von Syphilis vermutet. Diese Diagnose und die Ursache für Nietzsches Krankheitsbild überhaupt bleiben allerdings zweifelhaft und sind bis heute umstritten. Am 25 August 1900 stirbt Nietzsche in geistiger Umnachtung an einer Lungenentzündung.

Zur Definition des Atheismus. Unter Atheismus wird eine Haltung verstanden, die Gott ignoriert oder aus verschiedenen Gründen seine Existenz verneint. Der Begriff stammt aus dem Griechischen. Theos bedeutet Gott, und a- ist die Verneinung. Atheismus tritt in sehr unterschiedlichen Formen auf und wird verschieden begründet. Es gibt den starken, radikalen Atheismus, der die Existenz einer höheren Macht verneint und den schwachen, praktischen Atheismus, der ein Leben ohne Gott beschreibt. Der Alltag wird so gelebt, als ob es Gott nicht gibt. Hier wird jedoch nicht ausdrücklich die Nichtexistenz Gottes ausgedrückt, man klammert Gott sozusagen aus seinem Leben aus.

Nun zu Nietzsche. In seiner autobiographischen Schrift Ekse Homo schreibt er: „Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebnis, noch weniger als Ereignis, er versteht sich bei mir aus Instinkt.“ Schon hier wird deutlich, wie Nietzsche den Atheismus begreift. Die Frage nach dem Dasein Gottes wird von ihm, wie auch von den atheistischen Strömungen des 19 Jahrhunderts überhaupt nicht mehr gestellt. Als Selbstverständlichkeit die vorentschieden ist, und über die man nicht diskutieren muss, geht er von der Nichtexistenz Gottes aus. Gott wird, Nietzsches Meinung nach, durch das Glauben der Menschen an ihn aufrechterhalten. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, stirbt er. Der Mensch schaltet dann Gott aus, um in den vollen Besitz seiner eigenen Größe zu treten, die er sich durch den Gottesglauben vorenthalten wähnt. Mit dem Sturz Gottes soll ein Hindernis der eigenen Freiheit beseitigt werden. Der berühmte Ausspruch „Gott ist tot“ des „tollen Menschen“ geht einher mit einer Beschreibung der schrecklichen Folgen des Verlustes vom Glauben an Gott. Die explizite Leugnung der Existenz Gottes war eben nicht nur irgendeine beliebige philosophische Aussage, sondern führte zunächst einmal dazu, dass vieles, was zuvor religiös legitimiert war, fundamental unklar und unsicher werden musste – insbesondere Lebensordnungen wie Ehe und Familie oder die Staatsordnung einer Monarchie von Gottes Gnaden. Nietzsche treibt diese Verunsicherung an anderer Stelle auf die Spitze, wenn er grundlegende Werte des Abendlandes wie die soziale Fürsorge für andere Menschen als besonders hinterlistigen Einfall der Schwachen denunziert, die so die Starken leichter unterdrücken können. Die Religion somit ein Einfall des Menschen, um andere zu unterdrücken.
Er sieht den Atheismus als Selbstüberwindung des Christentums und begreift den Atheismus als Wagnis, sich in das reine Nichts fallen zu lassen, dorthin, wo nichts mehr hält und trägt.
Atheisten im Sinne Nietzsches sind nicht jene „neuen Atheisten“, die gegenwärtig – wie der Oxforder Biologe Richard Dawkins – den Gott der Christen als mentales Beiprodukt der Evolution ohne ein reales Fundament interpretieren wollen. Denn hier wird ein „wissenschaftlicher Atheismus“ postuliert und jedes Element von Wagnis bei diesem Unternehmen geleugnet. Atheisten im Sinne Nietzsches waren auch nicht die Nationalsozialisten noch die Staatssozialisten, weil beide an die Stelle der fundamentalen Unsicherheit nach dem Tode Gottes die vorgeblichen Sicherheiten neuer, unumstößlicher Heilslehren setzen. Nietzsche beschrieb mit seiner höchst eindrücklichen Szene vom tollen Menschen den Atheismus exakt so, wie kritisch gläubige Christen ihren Glauben beschreiben: als Wagnis.

Nun werde ich den Atheismus des Friedrich Nietzsche kritisch beleuchten und in Frage stellen. Ich werde versuchen darzulegen, dass seine Einstellung auf keiner fundierten Basis beruht, dass man aber auch keine handfesten Beweise hat, die die Existenz Gottes zu belegen.
Nietzsche war unbestreitbar ein Atheist. Nur hat er seinen Atheismus eigentlich begründet? Nein. Er hat seinen Atheismus nicht eigentlich begründet, sondern als gegeben vorausgesetzt. Er geht von der Nichtexistenz Gottes aus, ohne begründete Aussagen zu machen, weshalb. Die Auffassung, dass Gott nur durch den Glauben der Menschen an ihn aufrechterhalten wird, ist eine schlichte Behauptung, ohne handfeste, folgerichtige Beweisführung. Für ihn ist das Christentum eine reine Fiktionswelt, das die Wirklichkeit fälscht, entwertet und verneint. Doch hier wird wieder nur behauptet, nicht eigentlich begründet, wie das Christentum diese angeblichen Tatsachen vollbringt. Man muss allerdings beachten, dass die Frage der Begründung seines Atheismus Nietzsche gar nicht interessiert hat. Nicht um einen Beweis der Nicht-Existenz Gottes ging es ihm, allenfalls um eine historische Widerlegung des Gottesglaubens. Denn für ihn war mit der Antwort auf die Frage „Woher kommt der Gottesglaube?“ auch dieser Glaube selbst erledigt. Die Antwort auf diese Frage gibt er selbst. Für ihn kommt der Glaube an Gott aus zwei Quellen: dem Machtgefühl und dem Ohnmachtgefühl des Menschen. Selbst wenn die Existenz Gottes bewiesen wäre, würde das an seiner Einstellung nichts ändern: der Gott des Christentums bleibt unannehmbar! Dazu schreibt er: „Wir leugnen Gott als Gott…Wenn man uns diesen Gott der Christen bewiese, wir würden ihn noch weniger zu glauben wissen.“ Das Wesen Gottes ist für ihn also gleichsam der Gegenbeweis zu Gottes Existenz. Dies ist ein Widerspruch in sich, der den Geisteszustand Nietzsches deutlich machen könnte, der sich immer mehr verschlechterte. Dazu kommt noch, dass Nietzsches Kenntnisse in Theologie und Kirchengeschichte nicht der Schwere seiner Anklage entsprechen. Nietzsche will verletzten. Er fällt Pauschalurteile und ist getrübt durch seinen antireligiösen Fanatismus.


aus: Spuren