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Dies ist mein letztes Wort:
Dies war sein letztes Wort

Ich bin tot. Es die Wahrheit! Soeben bin ich gestorben. (2003?) Können Sie mir das glauben? Nein? Wieso sollten Sie mir auch glauben? Toten glaubt man nicht; ist es nicht so? Schon immer sagte man Ihnen wohl wissend: Hör zu! Glaub keinem Toten....! Aber, liebe Lebende, vielleicht konnte sich bisher noch niemand dazu entschließen: den eigenen Tod sich vorstellen. Zu erfahren wie es ist: wirklich und wahrhaftig tot zu sein.....

Wer weiß es übrigens wirklich: Tote schreiben die Wahrheit! (Sie können auch gar nicht anders...Das weiß ich! Und wer mir das glaubt – der weiß nichts. Und wer das weiß – ist ebenfalls tot und glaubt mir.....Komisch nicht? Aber real: Willkommen im Paradies!)

Wir, liebe Lebende, sind im schönsten Leben.....jedenfalls sind Sie noch fest davon überzeugt; Sie gehen unter blühenden Linden spazieren und pfeifen sich ein lustig Liedchen – während ich mich fröhlich im Grabe wende....

So! Was also wissen Sie schon vom Leben nach dem Tod? Nichts, nichts und wiederum nichts! Sie schweigen? Sie wissen es nicht? Oh doch....! Sie haben zwar noch nie von einem schreibenden Toten etwas gelesen....so ist es doch! Nietzsche ist tot! So lautet doch Ihre ganze Wahrheit. Dennoch: Haben Sie bitte keine Angst. Denn:
Ich bin lediglich Ihr gedachter Gegensatz. Sie leben also noch, nur bin ich...naja: anders. Ganz einfach. (Ich fragte mich gerade: ist es nicht sonderbar das es kein Verb für das Leben im Anderssein gibt? Vielleicht sollte ich dafür ein Wort erdichten? Und es dann als Verb bezeichnen? Doch genug! Wie wäre es mit: wissen? Oder: glauben? Das wären doch wirkliche Verben....)

Es ist also kein Wunder das Sie sich einreden: Glaub keinem Toten! Aber: so ist das nun einmal. Und? Was macht das schon? Man muß ja nicht alles wissen!

Und wahrhaftig! Der wahre Tote, lieber Lebende, liegt dann stumm im Grab und stört niemanden mit seiner toten Wahrheit...(wenn niemand ihn doch endlich hören würde!) so wie ich es derzeit tue....doch irgendwas zwickt und kitzelt meine selige Ruhe, läßt mich einfach nicht in Frieden schweigen; genau dort: eingeengt, stumm und atemlos – froh im finstersten Sarg: Dort, wo Niemand liegt.......

....und warum? Ich weiß es nicht! Das könnt Ihr mir glauben.

Also: Weswegen sollte ich, gerade ich, Sie anlügen; wieso können Sie mir nicht glauben? Ich lüge? Wozu sollte ich lügen: einem soeben Verstorbenen die Wahrheit verschweigen? Die Zeit der Lüge, lieber Leser, ist für alle vergangen: ich bin tot, du bist tot, alle sind wir tot – aber wie glücklich dabei! Also: Laßt uns feiern!

F. Nietzsche, alias: die tote Tomate. (bitte nicht verstehen!)

PS: Wozu ich also noch lüge? Was der Grund ist? Was macht es für einen Sinn? Ich weiß es nicht. Und dies wird auch immer so sein....: Euer letztes Wort?


aus: Sekundäres