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Thomas Mittmann: Friedrich Nietzsche - Judengegner und Antisemitenfeind
Schon im Vorwort seiner Untersuchung formuliert Thomas Mittmann das Ergebnis der nachfolgenden Studie: "Zieht man alle überlieferten Quellen zu Rate, kann das Bild vom lebenslang politisch korrekten Philosophen nicht aufrecht erhalten werden."
Niemand, der sich je ernsthaft mit Nietzsches Werk auseinandergesetzt hat, so behaupte ich, kümmert sich um ein politisch korrektes Denken. Und Nietzsche selbst, so wage ich zu vermuten, wäre eine solche Kategorie allenfalls lächerlich erschienen. Und noch mehr: politisch korrektes Denken ist mangelhaftes, weil zensiertes Denken.
Was hat Nietzsche mit Auschwitz zu tun? Diese Frage scheint unterschwellig bei allen Untersuchungen, die sich gegen Nietzsche und mit seinem Einfluss auf den Nationalsozialismus beschäftigen, grundlegend zu sein.
Da hat man jedoch das Problem, dass Nietzsche sich selbst als "Anti-Antisemiten" bezeichnete und offensichtlich viele jüdische Bekannte hatte. Gleichzeitig teilte Nietzsche leider, durchaus seiner Zeit verhaftet,Vorurteile über Juden und pflegte lange Zeit die Freundschaft mit dem notorischen Antisemiten Richard Wagner.
Nun war Nietzsche ganz sicher kein Philosemit, aber warum muß ein Philosoph das sein? Nietzsche dachte über das Judentum nach und würde man seine Invektiven gegen das Judentum mit seinen Angriffen gegen Kirche, Philosophen (z.B. Sokrates) und den Zeitgeist insgesamt vergleichen, so scheinen diese nicht radikaler zu sein. Nietzsche, das ist sein Verdienst, dachte radikal. Thomas Mittmann jedoch ordnet Nietzsches "Der Antichrist" umgehend politisch korrekt ein: "So lässt sich 'Der Antichrist' auch als 'Fluch auf das Judentum' lesen. Diese Schrift zählt zu den schlimmsten Dokumenten der judenfeindlichen Literatur im 19. Jahrhundert, auch wenn Nietzsche sich in seinen moralkritischen Analysen auf die alttestamentarische Priesterzeit bezog."
Dem Autor Thomas Mittmann geht es bei seiner Veröffentlichung (eine umfangreichere Dissertation über dieses Thema ist noch in Arbeit) um die Entlarvung eines Antijudaismus bei Nietzsche, der immer latent vorhanden, manchmal manifest geäußert wurde. Das kann passieren, wenn man eine lange Dissertation schreiben will. Im Epilog schreibt der Autor resümierend: "Damit muß den vielen "Antis", mit denen Nietzsches Werk in Zusammenhang gebracht wird, ein weiteres hinzugefügt werden. Sein Gedankenkosmos ist nicht nur "antisozialistisch", "antiliberal", antidemokratisch", antifeministisch", "antichristlich", "antinationalistisch" und anti-antisemitisch", sondern auch "antijüdisch."
Seltsam findet der Rezensent jedenfalls die Worte des Autoren im Epilog: "Bis zum Ende seiner literarischen Tätigkeit ist eine Hinwendung zu den positiven Qualitäten des Judentums kaum auszumachen." Ist das die Aufgabe eines im Tiefsten religionskritischen Denkers? Ich empfehle unbedingt, einmal in Nietzsches Werk die Stellen zu lesen, in denen er über Juden schreibt - und dann selbst zu beurteilen, ob Nietzsche 'antijüdisch' war.

Thomas Mittmann: Friedrich Nietzsche - Judengegner und Antisemitenfeind. 158.S. Suttonverlag GmbH, Gustav-Adolf-Straße 3, 99084 Erfurt. ISBN 3-89702-305-9 Preis: DM 34,90,-


aus: Sekundäres

  • Thomas Mittmann: Friedrich Nietzsche - Judengegner und Antisemitenfeind 30.08.2001