Personen um Nietzsche

Familie

Bernhard Förster

Elisabeth Alexandra Förster Nietzsche

Johanna Elisab. Wilhelmine Hahn

Erdmuthe Dorothea Krause

Carl Ludwig Nietzsche

Friedrich August Ludwig Nietzsche

David Ernst Oehler

Franziska Ernestine Rosaura Oehler

Freunde

Paul Deussen

Gustav Krug

Heinrich Köselitz gen. Peter Gast

Hermann Mushacke

Franz Overbeck

Wilhelm Pinder

Paul Rée

Erwin Rohde

Heinrich Romundt

Carl von Gersdorff

Lehrer

Jacob Burckhardt

Ernst  Ortlepp

Friedrich Ritschl

Arthur Schopenhauer

Richard Wagner

Frauen

Marie Baumgartner geb. Köchlin

Ida Overbeck (geb. Rothpletz)

Lou Salomé

Mathilde Trampedach

Malwida von Meysenbug

Meta von Salis-Marchlins

Resa von Schirnhofer

Cosima Wagner

Bekannte

Johann Jakob Bachofen

Georg Brandes - eigentlich Morris Cohen

Gottfried Keller

August von Miaskowski

August Strindberg

Hippolyte Taine


Arthur Schopenhauer

geb. 1788 Danzig
gest.. 1860 Frankfurt

Wichtigster Philosoph für Friedrich Nietzsche


Nietzsche schreibt etwa 1867 folgende Worte über eine zwei Jahre in Leipzig zurückliegende Denkwürdigkeit: "Eines Tages fand ich nämlich im Antiquariat des alten Rohn dies Buch, nahm es als mir völlig fremd in die Hand und blätterte. Ich weiß nicht, welcher Dämon mir zuflüsterte: "Nimm Dir das Buch mit nach Hause." Es geschah jedenfalls wider meine sonstige Gewohnheit, Büchereinkäufe nicht zu überschleunigen. Zu Hause warf ich mich mit dem erworbenen Schatze in die Sofaecke und begann jenen energischen düsteren Genius auf mich wirken zu lassen. Hier war jede Zeile, die Entsagung, Verneinung, Resignation schrie, hier sah ich einen Spiegel, in dem ich Leben und eigen Gemüt in entsetzlicher Großartigkeit erblickte. Hier sah mich das volle interesselose Sonnenauge der Kunst an. Hier sah ich krankheit und Heilung, Verbannung und Zufluchtsort, Hölle und Himmel. Das Bedürfnis nach Selbsterkenntnis, ja Selbstzernagung packte mich gewaltsam; Zeugen jenes Umschwunges sind mir noch jetzt die Unruhigen, schwermütigen Tagebuchblätter jener Zeit mit ihren nutzlosen Selbstanklagen und ihrem verzweifelten Aufschauen zur Heiligung und Umgestaltung des ganzen Menschenkerns. Indem ich alle meine Eigenschaften und Bestrebungen vor das Forum einer düstren Selbstverachtung zog, war ich bitter, ungerecht und zügellos in dem gegen mich selbst gerichteten Haß. Auch leibliche Peinigungen fehlten nicht. So zwang ich mich vierzehn tage hintereinander, immer erst um 2 Uhr nachts zu bett zu gehen und es genau um 6 Uhr wieder zu verlassen. Eine nervöse Aufgeregtheit bemächtigte sich meiner und wer weiß bis zu Welchem Grade von Torheit ich vorgeschritten wäre, wenn nicht die Lockungen des Lebens, der Eitelkeit und der Zwang zu regelmäßigen Studien dagegengewirkt hätten." Um welches Buch handelt es sich, so fragt der Leser und erinnert sich vielleicht an eine Szene in dem Roman `Die Buddenbrooks´von Thomas Manns. Der Konsul Thomas Buddenbrook entdeckt durch einen Zufall das Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer mit dem Titel `Die Welt als Wille und Vorstellung´ und fühlt sich unmittelbar angesprochen. Thomas Mann kannte sicherlich die obengeschilderte Szene. Deutlich werden an diesem später gleichsam stilisierten Initationsakt mehrere Aspekte: Nietzsche versteht Philosophie nicht abstrakt, sondern als eine lebendige Erfahrung, als Spiegel seines Ichs. Nietzsche nimmt das Geschriebene ernst und wird das auch für seine eigenen Werke fordern! Kunst, Philosophie sind nicht Bestandteile des Lebens, sondern sind das Leben selbst. Hinzu bewundert Nietzsche, er ist immerhin klassischer Philologe, Schopenhauers Stil. Das Ideal der Klarheit, Deutlichkeit und Kürze wird auch Nietzsches Schreiben bestimmen. Natürlich fühlt sich Nietzsche ganz besonders von der Kunstmetaphysik Schopenhauers angesprochen, die der Musik einen besonderen Stellenwert verleiht. Am meisten zog Nietzsche aber von Arthur Schopenhauers vorgelebte Ideal des Weisen an, der ehrlich und einfach, fast antik, seine Weisheit glaubwürdig vertritt. Das Schopenhauer das Christentum mit der Erlösungsvorstellung philosophisch zu Grabe getragen hat, muß den vom Christentum sich lösenden Nietzsche zudem angezogen haben. Nietzsche ist so sehr begeistert von Schopenhauer, daß er beginnt, seine Freunde förmlich zu missionieren. Er trifft sich regelmäßig mit Gersdorff und Mushacke, "wo geschopenhauert wird" und schreibt weiter an seine Mutter:"Dieser Philosoph nimmt eine sehr bedeutende Stellung in meinen Gedanken und meinen Studien ein und mein Respekt vor ihm nimmt unvergleichlich zu." Kurz vor Ende seines Studium lernt Nietzsche schließlich in Leipzig den Komponisten Richard Wagner kennen. Man kommt auf Arthur Schopenhauer zu sprechen, dessen Gedanken die Grundlage der spontanen gegenseitigen Sympathie bilden - die Bewunderung für Schopenhauer wird somit gleichsam zum Fundament der Freundschaft. 1874 erscheint im Rahmen der `Unzeitgemäßen Betrachtungen´ Nietzsches Huldigung für sein philosophisches Vorbild mit dem Titel `Schopenhauer als Erzieher´. Nach der Abrechnung mit dem Bildungsphilistertum in der ersten Betrachtung über David Strauss beschreibt Nietzsche nun das Ideal des Weisen, der fernab von seiner Zeit, eben unzeitgemäß, nur der Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet ist. Nietzsche geht in dieser Schrift wenig auf den wirklichen Inhalt der Philosophie Schopenhauers ein, denn innerlich wendet er sich schon gegen dessen Grundpositionen, als vielmehr die Form, in der sich der wahre Philosoph zu zeigen hat. Insofern ist diese Huldigungsschrift latent auch schon die `Abrechnung´ mit Schopenhauer. Auch die vierte und letzte Betrachtung über Richard Wagner hat ja diesen janusköpfigen Charakter des scheinbaren Höhepunkts einer Beziehung und des tatsächlichen Abschieds. Arthur Schopenhauers Pessimismus wird später zur einer wesentlichen Zielscheibe der Überlegungen Nietzsches. Auch Schopenhauers Philosophie spiegelt für Nietzsche den europäischen Nihilismus, die Decadence wider. Nietzsche sucht genau den Ausweg aus dem indischen Nein und der christlichen Erlösungsideologie. Die Figur des Zarathustra und des Dionysos verkörpern dieses Neinja und Janein.